kommunale wärmeplanung

Das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral ist. Auf dem Weg dorthin spielt der Umbau der Wärmeversorgung eine entscheidende Rolle. 

Die Stadt Rastatt hat im Jahr 2021 die Erarbeitung der Wärmeplanung begonnen und analysiert darin die Möglichkeiten einer klimaneutralen Wärmeversorgung bereits für das kommunalpolitisch gesetzte Zieljahr 2040.

Im Oktober 2023 hat der Gemeinderat die kommunale Wärmeplanung verabschiedet. Die Analyse des von der Stadt beauftragten Ingenieurbüros sieht im Rastatter Fernwärmenetz großes Potenzial, denn der größte Teil Rastatts wäre für Fernwärme geeignet. 

Übersicht Fernwärmeversorgung (Stand April 2024)
Übersicht Fernwärmeversorgung (Stand April 2024)

In der Barockstadt kann sich das bisherige Fernwärmenetz schon sehen lassen: Bereits 30 Kilometer Leitungen haben die Stadtwerke Rastatt in den vergangenen 15 Jahren verlegt und etwa 1.400 Haushalte angeschlossen. Mit dieser Basis bietet der weitere Ausbau des Netzes in den kommenden Jahren das größte Potenzial, die Wärmeversorgung in Rastatt klimaneutral und grün zu machen.

Beginn des großflächigen Ausbaus der Fernwärmenetze ist in Rastatt ab 2028 geplant. Parallel dazu wird nach Standorten und Flächen für notwendige Heizzentralen gesucht.

Das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral ist. Auf dem Weg dorthin spielt der Umbau der Wärmeversorgung eine entscheidende Rolle. Warum? Beim Heizen oder der Versorgung von Gebäuden mit Warmwasser entsteht derzeit ein erheblicher Teil der schädlichen CO2-Emissionen, weil besonders in älteren Häusern die Effizienz von Gebäudehülle oder Heiztechnik oft zu wünschen übrig lässt. Das Ziel der Klimaneutralität kann also nur erreicht werden, wenn die Wärmeversorgung energetisch auf neue Füße gestellt wird und ohne fossile Brennstoffe auskommt. Bei dieser Wärmewende übernehmen Städte und Gemeinden mit der kommunalen Wärmeplanung eine Schlüsselrolle.

Das Gesetz adressiert gleich zwei zentrale Pfeiler, die es für eine klimafreundliche und künftige Wärmeversorgung braucht: die Verpflichtung zur kommunalen Wärmeplanung als das zentrale Steuerungsinstrument für Kommunen und zudem die Vergrünung der Wärmenetze.

In Kommunen mit einer Einwohnerzahl bis zu 100.000 muss bis spätestens 30. Juni 2028 ein kommunaler Wärmeplan erstellt sein

Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen schon bis zum 30. Juni 2026 fertig sein.

Betreiber bestehender Wärmenetze sind verpflichet, diese bis zum Jahr 2030 mindestens zu einem Anteil von 30 Prozent und bis 2040 zu 80 Prozent mit Wärme aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme zu speisen.

Ab dem Jahr 2045 müssen in Übereinstimmung mit den Zielen des Bundesklimaschutzgesetzes alle Wärmenetze vollständig klimaneutral betrieben werden.

In Rastatt hat die Stadtverwaltung ein Ingenieurbüro mit der Durchführung der kommunalen Wärmeplanung beauftragt. Wir, die Stadtwerke Rastatt, bringen unser Energie-Know-how in den Prozess ein und stehen der Stadt Rastatt beratend zur Seite. Beispielsweise kennen wir die lokalen Gegebenheiten sowie die hiesigen Energieverbräuche und liefern somit eine wesentliche Datengrundlage für die Planung. Gemeinsam setzen wir dann auch die Klimaschutz- und Energiewendemaßnahmen, wie beispielsweise den Ausbau des Fernwärmenetzes, vor Ort um.

Dabei prüfen wir technologieoffen alle Möglichkeiten für eine effiziente und nachhaltige Gewinnung von Energie und Wärme.

Mit der kürzlich von der Bundesregierung verabschiedeten Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird deutlich, dass die kommunale Wärmeplanung nicht nur Kommunen dabei hilft, sich in Bezug auf ihre Energieversorgung zukunftsfähig aufzustellen – auch für Privatpersonen wird es einfacher zu entscheiden, wie sie investieren sollen, um zur Wärmewende beizutragen.

Deswegen hat die Bundesregierun das Wärmeplanungsgesetzes mit dem GEG abgestimmt: Die Stichtage für die kommunalen Wärmepläne sind gleichzeitig auch der Startschuss für die Vorgabe, dass in Bestandsgebäuden jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme betrieben werden muss (vorbehaltlich bestimmter Ausnahme- und Übergangsregelungen).

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt in Deutschland bereits seit dem 1. November 2020 und enthielt bisher Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden sowie die anteilige Nutzung erneuerbarer Energien im Neubau. Die aktuelle Novelle weitet den Geltungsbereich des Gesetzes in der Wärmeversorgung von Gebäuden aus und nimmt zunehmend auch Bestandsgebäude in den Blick. Die Grundlage dafür sind die Einsparziele für Emissionen, die im Pariser Klimaabkommen festgelegt sind und zu dessen Einhaltung Deutschland völkerrechtlich verpflichtet ist.

Mit dem novellierten GEG will die Regierung den Umstieg auf erneuerbare Energien beim Heizen forcieren, Modernisierungsanreize schaffen und damit die hohen CO2-Emissionen im Gebäudesektor senken. Kern des Gesetzes ist, dass beim Einbau neuer Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien genutzt werden sollen. Dafür gibt es verschiedene Erfüllungsoptionen. Das kann der Anschluss an ein Wärmenetz sein, aber auch der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Für Gebäudebesitzer ist es daher sinnvoll zu wissen, wo in einer Stadt ein Fernwärmeausbau geplant ist und wo nicht. In unserer Online-Abfrage für einen Fernwärmeanschluss finden Sie den aktuellen Stand des Fernwärmenetzausbaus in Rastatt. So wissen sie, ob sie andere Heizlösungen finden müssen, die praktikabel sind, gut funktionieren und die sie sich leisten können. Das wird durch einen kommunalen Wärmeplan möglich.

Seit 1. Januar 2024 dürfen in Neubauten innerhalb von Neubaugebieten nur noch Heizungen installiert werden, die auf mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien basieren. Für bestehende Gebäude und Neubauten, die in Baulücken errichtet werden, sind längere Übergangsfristen vorgesehen, damit für die Entscheidung über die künftige Art des Heizens ein kommunaler Wärmeplan als Grundlage vorliegt.

In Großstädten (mit mehr als 100.000 Einwohnern) wird somit der Einbau von Heizungen mit 65 Prozent Erneuerbarer Energie nach dem 30. Juni 2026 verbindlich, in Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern, wie in Rastatt, gilt das nach dem 30. Juni 2028.

Wird in einer Kommune eine Entscheidung über die Ausweisung als Gebiet zum Neu- oder Ausbau eines Wärmenetzes oder als Wasserstoffnetzausbaugebiet auf der Grundlage eines Wärmeplans schon vor Mitte 2026 bzw. Mitte 2028 getroffen, wird der Einbau von Heizungen mit 65 Prozent Erneuerbaren Energien schon dann verbindlich.

Für den Umstieg auf Heiztechniken, die zu mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Aus folgenden Technologien können Gebäudeeigentümer:innen die sinnvollste Option für ihr Gebäude wählen.

  • Anschluss an ein Wärmenetz, das die zum Zeitpunkt des Anschlusses geltenden rechtlichen Anforderungen erfüllt
  • elektrisch angetriebene Wärmepumpe zur vollständigen Deckung des Wärmebedarfs
  • Wärmepumpen-Hybridheizungen, wenn mindestens 30 (in bestimmten Fällen 40) Prozent der Gebäudeheizlast über die Wärmepumpe abgedeckt werden
  • Stromdirektheizung
  • Solarthermieanlage
  • Solarthermie-Hybridheizungen
  • Wasserstoffbasierte Heizsysteme (Erdgas-Heizungen, die auf Wasserstoff umrüstbar sind, unter bestimmten Voraussetzungen)
  • Heizsysteme mit fester Biomasse, wie etwa Pellets oder Holz
  • Biogasbasierte Heizsysteme

Neue Gas- oder Ölheizungen sind in verschiedenen Konstellationen also weiterhin zulässig; zum Beispiel als Hybridlösungen in Kombination mit einer Wärmepumpe oder einer Solarthermieanlage, beim Betrieb mit grünen Gasen oder übergangsweise im Rahmen der verschiedenen Übergangsfristen und Ausnahmen.

Nein, Sie müssen nicht sofort tätig werden. Es geht beim GEG darum, den Einbau neuer Heizungen zu regulieren. Bestehende Heizungen können weiter betrieben werden und kaputte Heizungen können weiterhin repariert werden! Die Vorgaben des GEG greifen erst dann, wenn eine Erdgas- oder Ölheizung getauscht werden muss, zum Beispiel, weil diese nicht mehr repariert werden kann. Und auch dann erst, wenn eine kommunale Wärmeplanung erstellt wurde, was in Rastatt der Fall ist.

Dann darf diese Heizung im Regelfall nicht mehr durch eine reine Öl- oder Gasheizung ersetzt werden, sondern durch Geräte, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden können. Im GEG gibt es zudem einige Ausnahmeregelungen und Übergangsfristen. In Härtefällen können Eigentümer von der Pflicht zum Erneuerbaren Heizen befreit werden.

Wir sind Gesellschafter bei der Energieagentur Mittelbaden – so bieten wir Ihnen eine unabhängige Energieberatung vor Ort. Eine kostenlose Erstberatung erhalten Sie bspw. über die Energieberatungshotline. Dienstags zwischen 10 und 12 Uhr und donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr beantwortet ein Energieberater unter der Telefonnummer 07222 1590821 Ihre Fragen.

Nein. Allein der Beschluss eines Wärmeplans löst nicht unmittelbar die Anwendung des GEG in Bezug auf bestehende Gebäude aus. Hierzu bedarf es einer zusätzlichen Entscheidung der Gemeinde, die Gebiete entsprechend ausweist, beispielsweise zum Neu- oder Ausbaugebieten von Wärmenetzen oder zu Wasserstoffnetzausbaugebieten. Erst mit dieser Entscheidung wird das GEG „scharf gestellt“. Und erst damit gelten einen Monat nach Bekanntgabe dieser Entscheidung in einem solchen Gebiet die entsprechenden Regelungen und Übergangsfristen des GEG zum Heizungstausch.

Dennoch ist es gut, dass wir in Rastatt schon so weit sind. So haben die hiesigen Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Orientierungshilfe und Entscheidungsgrundlage, wenn sie ihr Wohngebäude energieeffizient und zukunftsfähig umbauen.

Wenn die Kommune die Entscheidung darüber getroffen hat, dass in Ihrem Wohngebiet das Wärmenetz ausgebaut werden soll, gelten einen Monat nach Bekanntgabe dieser Entscheidung die entsprechenden Regelungen und Übergangsfristen des GEG zum Heizungstausch. Wenn für dieses Gebiet kein Anschluss- und Benutzungszwang verankert wird, sind auch hier weiterhin individuelle Heizungen möglich. Der Anschluss an ein Wärmenetz bietet aber eine sehr einfache und gute Möglichkeit, klimafreundlich und komfortabel zu heizen, sodass es für Sie empfehlenswert wäre, die Option eines Anschlusses zu prüfen.

Damit spricht eine Gemeinde die Verpflichtung aus, sich in einem ausgewiesenen Gebiet der Stadt, an eine bereits bestehende oder zu errichtende Versorgungs- oder Entsorgungseinrichtung, wie zum Beispiel ein Wärmenetz, anzuschließen (Anschlusszwang) und die Leistungen dieser Einrichtung zu nutzen (Benutzungszwang). Die rechtliche Grundlage für die Einführung eines Anschluss- und Benutzungszwangs im Zusammenhang mit Fernwärme ergibt sich aus den jeweiligen Gemeinde- bzw. Kommunalordnungen der Bundesländer. Diese ermächtigen im Regelfall die Gemeinden, aus Gründen des öffentlichen Wohls einen Anschluss- und Benutzungszwang für gemeindliche Einrichtungen einzuführen.

Ein solches Vorgehen ist dann begründet, wenn gemeindliche Einrichtungen nur in dieser Weise kostendeckend, auslastungsgerecht und effizient betrieben werden können. Teilweise werden Anschluss- und Benutzungszwänge mit bestimmten Ausnahmen erlassen. Auch hier gibt es Ausnahmeregelungen.

Wenn Ihr Wohngebiet als Eignungsgebiet für die Einzelversorgung ausgewiesen ist, hat auch das erst einmal keine direkte Auswirkung. Für Sie ist es ein Hinweis, dass das Gebiet eher ungeeignet ist für den Ausbau einer leitungsgebundenen Wärmeversorgung. Beim Einbau einer neuen Heizungsanlage kommen daher insbesondere dezentrale gebäudespezifische Anlagen wie etwa Wärmepumpen infrage. In Rastatt ist das zum Beispiel in den Riedgemeinden der Fall.

Sie haben Fragen zur kommunalen Wärmeplanung? Wir sind gerne für Sie da.

Volker Bunte
Abteilungsleiter Vertrieb & Energiebeschaffung
Jan Pieter van Roode
Kundenberatung Vertrieb & Energiebeschaffung